Regenerate Forum

Ökonomie vom Boden her denken


Projekt Lebendiger Boden-See

There is Hope

So lautet der Claim einer Podiumsdiskussion über regenerative Landwirtschaft auf dem DLD Circular 2023. Es ist ein starkes Signal, wenn die renommierte internationale Konferenz für Visionärinnen und Visionäre sich einer regenerativen Zukunft widmet:

Regeneration ist das Thema unserer Zeit – mit der Natur zusammenarbeiten und dadurch Zugang zu ihrem reich­haltigen Kreislauf erhalten. Ganz vorne mit dabei: das Regenerate Forum (Regenerate). Inmitten hoch disruptiver Zeiten, in denen das Spannungsfeld zwischen Verharren im alten, extraktiven Muster und Hinwendung zu neuen, regenerativen Ideen, Methoden und Technologien zu zerreißen droht, ist Zuversicht eine wichtige Botschaft. Fahren wir mit der Ent­fremdung des Menschen von der Natur fort, die in immer größerem Ausmaß unsere natürlichen Lebens­grundlagen zerstört?1 Oder ermöglichen wir einen tiefgreifenden Wandel? Einen Wandel, der uns mit den natürlichen Prinzipien und der Regeneration unserer lebendigen Daseinsgrundlagen verbindet und daraus Erneuerung, gesellschaftliche Verbundenheit, Gerechtigkeit und Wohlstand erwachsen lässt.

Regenerates Leitsatz „Die Ökonomie vom Boden her denken“ steht für die Intention, aus der Verbindung zu unseren natürlichen Lebensgrundlagen Leben schaffendes, ökonomisches Handeln abzuleiten. Die Regenerierung von Böden, Biodiversität und Wasserzyklus ist einer der größten Hebel, den die Menschheit hat, um den Klimawandel zu überwinden.

Statt die Natur weiter zu manipulieren, kann unsere Ökonomie von ihr lernen und Geschäftsmodelle hervor­bringen, die aus den Prinzipien der Natur schöpfen: Das Prinzip der Emergenz, wonach sich die Natur laufend weiter­entwickelt und dabei vom Einfachen zum Komplexen strebt. Das Prinzip der Kollaboration, wonach die Natur aus einer Vielzahl von Synergien zwischen Boden und Pflanzen und Pflanzen und Tieren besteht. Das Prinzip der Diversität, wonach Vielfalt in der Natur deren Resilienz stärkt. Und schließlich das Prinzip der Zirkularität, wonach alles, was in der Natur stirbt, letztlich wieder zur Grundlage für neues Leben wird.

Regenerate steht für den Mut zu diesem regenerativen Paradigmenwechsel und hat sich zur Aufgabe gemacht, den dafür notwendigen Transformationsprozess in der Ökonomie zu initiieren und zu begleiten.

Ein Paradigmenwechsel braucht Grundsätze

1. Regenerate beginnt beim Boden.

Über 90% unserer Lebens-Mittel haben ihren Ursprung im Boden und mehr als 50% des globalen BIP sind stark bis moderat von der Natur und ihren Leistungen abhängig. Wir wissen auch, dass Zivilisatio­nen, deren Böden aufgrund schlechter Landnutzung erodiert sind, zugrunde gingen. Durch die industrielle Land­wirt­schaft, die auf unnatürlichen Monokultursystemen beruht, sowie durch die weltweite Rodung von Ur-Wäldern, die häufig mit gering diversifizierten Nutzwäldern aufgeforstet werden, ebenso wie durch die ungebremste Umwandlung von Wald und Wiesen in Ackerland wurden in den letzten 200 Jahren etwa 50% der weltweiten Humusvorkommen ver­nichtet, ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen verwüstet und damit in vielen Regionen der lokale Wasser­zyklus massiv gestört. Es braucht daher die Rückkehr zu resilienten Klimaland­schaften und Ökosystemen. Unter Klima­landschaften verstehen wir eine Landnutzung, die aktiv dem Klimaschutz dient – indem sie Kohlenstoff durch diversifizierte Vegetation im Boden speichert, die Artenvielfalt damit wiederherstellt, den natürlichen Wasserkreislauf renaturiert und mittels pflanzlicher Verdunstungskühle (dem natürlichen Kühlungssystem unseres Planteten) die Extreme des Klima­wandels dämpft und letztlich überwindet. Voraussetzung für die Schaffung einer Klimaland­schaft ist gemäß dem Natur­prinzip der Diversität eine hoch diversifizierte Vegetation, sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Waldwirtschaft. Das genau ist der Ansatz regenerativer Methoden. Regenerativ wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern sowie Forstwirt:innen machen sich die Fähigkeiten der Natur zunutze, haben dadurch geringere Inputkosten, verbrauchen weniger Energie, produzieren gesündere Lebens-Mittel und Rohstoffe und regenerieren gleichzeitig den Boden.

2. Regenerate verbindet das Unerwartete miteinander („Connect the Unexpected“).

Nur engagierte Vertreter:innen der Gesell­schaft können dabei helfen, einen solchen Paradigmenwechsel voranzutreiben. Bäuerinnen und Bauern sowie Forstwirt:innen, Unternehmer:innen und Handwerker:innen, Konsument:innen, Naturschutz, Kultur und Bildung, Religionsgemeinschaften, Stiftungen und Politik: Regenerate bringt diese Interessengruppen gezielt in strukturierten, moderierten, kollaborativen Prozessen zusam­men. Die Land- und Forstwirtschaft, das Handwerk sowie die mittel­ständischen Familienunterneh­men bilden den Kern solcher Begegnungen. Bei mehrtägigen, generationen­übergrei­fenden Regenerate Retreats auf regenerativ wirtschaftenden Höfen treffen die Entscheider:innen dieser Gruppen, die sich sonst selten begegnen, aufeinander, erleben gemeinsam regenerative Land- und Forstwirtschaft und lernen sich gegenseitig und auf Augenhöhe kennen. Familienunternehmer:innen werden dabei für die notwendige Transformation im eigenen Unternehmen inspiriert. Gleichzeitig nehmen sie die Bedeutung der Land-, Forst und Wasserwirtschaft für die Zukunfts- und Enkelfähigkeit der eigenen Region wahr. Damit wird die Saat gelegt für einen gemeinschaftlichen, vertrauensvollen Transformationsprozess.

3. Regenerate arbeitet regional.

Denn ein Paradigmenwechsel braucht einen Ort. Wie kann man eine Vision besser veranschaulichen, als sie umzusetzen? Zum Beispiel in einer Leuchtturmregion, die den Paradigmenwechsel einleitet. Regenerate will helfen, das Vierländereck am Bodensee in regenerative Schwingungen zu bringen – eine Region, die aufgrund ihrer Lage und landschaftlichen Diversität das Potenzial hat, Erfolge über Ländergrenzen hinweg zu tragen. Der Fokus liegt zunächst auf dem Landkreis Bodenseekreis auf der deutschen Seite. Denn in Liechtenstein und Vorarlberg gibt es bereits entsprechende von Familienunternehmen unterstützte Initiativen, mit denen Regenerate partnerschaftlich verbunden ist, in der Schweiz ist Regenerate mit einer Reihe einflussreicher Bäuerinnen und Bauern sowie Unternehmer:innnen im Gespräch. Mit dem Haus Baden in Salem hat Regenerate einen kongenialen Partner gefunden, der vor einigen Jahren den Markgräflichen Badischen Gutsbetrieb auf ökologische, regenerative Landwirtschaft umgestellt hat und mit Schloss Salem über einen einmaligen Ort verfügt, um Menschen zu verbinden.

Handlungsebenen für eine Transformation am Bodensee

Im April dieses Jahres fand in enger Partnerschaft mit dem Haus Baden und fast 100 Teilnehmenden das Regenerate Retreat in Schloss Salem statt. Dabei konnten die Teilnehmenden regenerative Landwirtschaft auf dem Markgräflich Badischen Gutsbetrieb und auf dem traditionsreichen Demeter-Betrieb Hofgut Rengoldshausen erleben. Nach diesem konstruktiven Kick-off konzentriert sich Regenerate bei der Umsetzung in der Region zunächst auf drei Handlungsebenen.

 

Top-Down

Handlungsebene „Runde Tische Klimalandschaft Bodensee“: Die Transformation kann nur durch das Zusammenwirken aller Akteur:innen, die im Landschaftsraum Bodensee leben und wirtschaften, erfolgreich sein. Über einen Zeitraum von 18 Monaten sollen daher in Runden Tischen ausgewählte Vertreter:innen aller gesellschaftlichen Gruppierungen regelmäßig zusammenkommen. Sie haben dabei zunächst Gelegenheit, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, um dann eine Vision 2030 zu entwickeln. Im Anschluss soll diese Vision in Arbeitsgruppen mit einem konkreten Maßnahmen- und Kostenplan für die Schaffung einer regenerativen Klimalandschaft Bodensee unterlegt werden. Begonnen wird mit zwei von 24 Gemeinden im Landkreis Bodenseekreis, begleitet durch einen Lenkungs­ausschuss auf Landkreisebene. Das innovative, ko-kreative Format der Runden Tische wird durch professionelle Fazilitation begleitet. Derzeit führt Regenerate Gespräche mit Bürgermeister:innen, Bäuerinnen und Bauern, mit Unter­nehmer:innen in den jeweiligen Gemeinden sowie mit dem Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz (BMVU), das in diesem Jahr das „Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz“ verabschiedet hat. Das Programm ist hervorragend geeignet, die Umsetzung der in den Runden Tischen erarbeiteten Maßnahmen für eine vernetzte Klimalandschaft zu finanzieren.

Bottom-up

Handlungsebene „Boden-AGs“: Um Bäuerinnen und Bauern in der Umsetzung regenerativer Maß­nah­men zu unterstützen, hat Regenerate das Konzept der selbstgesteuerten bäuerlichen Arbeits­gruppen, sog. „Boden-AGs“, entwickelt. Hierbei handelt es sich um Arbeitsgruppen, bestehend aus jeweils ca. sieben konventionell und/oder ökologisch wirtschaftenden Bauern­familien, die durch von Regenerate ausgebildete Moderator:innen geleitet werden. Nach ersten ver­trau­ensaufbauenden Prozessen sollen auf Basis der

Nachhaltigkeitsanalyse von Regionalwert Leistungen KPIs ermittelt und damit die Ausgangslage des eigenen Hofs hinsichtlich Nachhaltigkeit erfasst werden. Über einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten werden anschließend in regelmäßigen Treffen Maßnahmen zur Zusammen­­arbeit, zur Ressourcen­nutzung, zur Kräftebündelung im Vertrieb und zur Entwicklung konkreter regenerativer Ansätze auf den Höfen erarbeitet und umgesetzt. Die Gruppen können danach selbstorganisiert weiter­laufen, mit dem Ziel, dass sich dieses Programm schnell verselbständigt und zukünftige Moderator:innen aus den Arbeitsgruppen rekrutiert werden.

Als Einstieg in die Boden AGs dient unter anderem der seit Jahren bewährte Bodenpraktiker-Kurs der Bioland Stiftung, der sich sowohl an konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern richtet. Im März 2023 wurde zum ersten Mal ein von Regenerate unterstützter Bodenpraktiker-Kurs in der Bodenseeregion länderüber­greifend für Bauern und Bäuerinnen aus Deutschland und der Schweiz gestartet. Weitere Kurse sollen folgen.

Connecting

Handlungsebene „Regionale Refinanzierungsplattform für Naturkapital“: Die Umstellungskosten auf regenerative Landwirtschaft können zukünftig nicht allein von Bäuerinnen und Bauern gestemmt werden. Die Entwicklung einer regionalen Plattform zur Finanzierung von Ökosystemerhalt und -verbesserungen, konkret von Biodiversität, Boden, Klima, Wasser und Resilienz, kann dafür einen entscheidenden Transmissionsriemen schaffen. Für das Projekt arbeitet Regenerate federführend mit dem Startup The Landbanking Group sowie in enger Kooperation mit dem Markgräflich Badischen Gutsbetrieb, weiteren landwirtschaftlichen Betrieben, engagierten Unternehmen und Stiftungen aus der Region sowie mit Regionalwert Leistungen zusammen.

Ökosystemverbesserungen können – basierend auf einer Kombination aus skalierbarer, fernerkundungsgestützter Wir­kungs­messung (top-down) und von vom Produzenten erfassten und durchgeführten Maßnahmen (bottom-up) – in Form von Leistungsverträgen (sog. Nature Uplift Units) verbrieft werden. Das durch die Leistungsverträge verbriefte Naturkapital und die damit verbundene gemessene Ökosystemverbesserung fördern sowohl das Gemeinwohl als auch die Schaffung einer neuen Asset-Klasse, die aktivierbar und zukünftig handelbar ist. Der Landbanking Group liegen Gut­achten namhafter Wirtschaftsprüfungsunternehmen vor, die bestätigen, dass diese Leistungsverträge in der Bilanz der geldgebenden Organisationen als immaterieller Vermögenswert aktiviert werden können. Der Vermögenswert ist hierbei mit der tatsächlich gemessenen Entwicklung des Naturkapitals verknüpft, also Humusaufbau, gebundenen Tonnen CO2, verbesserte Wasserhaltekapazität und geschützte oder renaturierte Fläche. Als Investor:innen kommen regionale Unter­nehmen sowie Bürger:innen, überregionale Investor:innen aber auch die Wasserwirtschaft (die ein Interesse an der Reduzierung Ihrer Wasser­aufbereitungskosten hat) in Frage. Die erfolgreiche Umsetzung dieses Projekts kann ein Meilenstein sein, um eine regionale Kreislaufwirtschaft zu fördern, bei der sowohl die Bäuerinnen und Bauern als auch die Unternehmer:innen der Region einen finanziellen Nutzen durch Ökosystemerhalt oder -verbesserung mittels regenerativer Methoden haben.

Regenerieren wir es an!

Team:

Regenerate verfügt über ein vielseitiges Team von äußerst engagierten Menschen, darunter führende
regenerative Bauern und Spezialist:innen.

Finanzierung:

Regenerate setzt alle Kraft in die Umsetzung dieses Transformationsprozesses. Für den Erfolg benötigt Regenerate mehr finanzielle Unterstützung! Durch die Unternehmerschaft vor Ort, durch private Stifter:innen und Stiftungen und durch die Politik.

 

Werden Sie Teil dieses einzigartigen Transformationsprojekts!

 

„Regeneration bedeutet, das Leben in den Mittelpunkt jeder Handlung und Entscheidung zu stellen.
Das gilt für die gesamte Schöpfung – Grasland, Bauernhöfe, Menschen, Wälder, Fische, Feuchtgebiete,
Küsten und Ozeane – und es gilt gleichermaßen für Familien, Gemeinden, Städte, Schulen,
Religionen, Kulturen, Handel und Regierungen. (…) Bei der Regeneration geht es nicht nur darum,
die Welt wieder zum Leben zu erwecken; es geht darum, jeden von uns wieder zum Leben zu
erwecken.“ Paul Hawken

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