Bericht Projekt „ebana“ 2015/2016

Das Projekt ebana wird seit vielen Jahren von wirundjetzt e.V. getragen. Hier ein Bericht aus dem Jahr 2015/2016

(Bild 1. Gespräch mit dem Dorfrat von La Embocada, Chimanes)

Projektziel:

Unsere Vision ist die Aufrechterhaltung des amazonischen Ökosystems für jetzige und künftige Generationen. Durch Umweltbildung und Aufforstung soll den Kindern, den künftigen Entscheidungsträgern, ein direkter Bezug und Bewusstsein zum amazonischen Regenwald und seiner Artenvielfalt nahe gebracht werden. Vor allem aber Ihre Identitätsbewahrung, wie durch Permakultur in sich funktionierende, auf natürlichen Ressourcen basierende Produktionssysteme in der Dorfgemeinschaft (Communidad) generiert werden können.

Überblick:

Mein Besuch in Rurrenabaque hat mich positiv gestimmt bzgl. der Wichtigkeit der Projektfortsetzung. Zum einen auf Grund sichtbarer Ergebnisse, zum Anderen auf Grund der Abhängigkeit der Menschen hier. Beispiele sind der nachlassende Tourismus sowie nur eines Industriebetriebes. Ebana hilft weitere Standbeine zu sehen und so eine höhere Unabhängigkeit langfristig zu erreichen. Nach meiner frühzeitigen Ankunft am Anfang Mai 2016 in Rurrenabaque, Bolivien, habe ich zunächst als eine Art Qualitätskontrolle auf eigene Faust Informationen bzgl. der Projektaktivitäten eingeholt. Die von Marianela Laura Quisbert begonnene Arbeit Anfang 2014 in den Dörfern Tumupaza, San Miguel de Bala sowie San Jose de Uchupiamonas hat unterschiedliche Früchte getragen. Die von mir Ende 2012 begonnene Zusammenarbeit mit den Dörfern musste erst wieder aufgegriffen und auf persönlicher Ebene von Marianela Laura Quisbert aufgewärt werden. Da die Uhren hier in der Gegend langsam ticken, erfolgte dies in Form von Gesprächen und praktischen Einheiten im Bereich Umweltbildung. Bspw. der Bedeutung der Wälder für die Kinder und Jugendlichen oder Ausflüge um Samen zu suchen. (Siehe Berichte in Spanisch von Marianela Laura Quisbert in San Miguel de Bala sowie Tumupaza).
Zur Errichtung neuer Baumschulen oder Schulgärten kam es unter Ihrer Projektleitung nicht.

Marianela Laura Quisbert und ich realisierten, dass die erfolgreiche Projektdurchführung vor Ort auch der Persönlichkeit eines Projektleiters mit entsprechender Erfahrung und besonders Anerkennung und Kontakten in der Gegend bedarf. Dies war bei Marianela, die von dem bolivianischen Hochland (Alti Plano) kommt, nicht gegeben. Marianela führte nach Ihrer Tätigkeit für ebana daher Ihre Arbeit im Projekt “Bosque de niños” in Riberalta fort. Ein ähnlicher Projektansatz, wo die Überlegung einer Projektzusammenarbeit weiterhin im Raum steht.

Seid Anfang 2015 ist Lizandro Diaz, gebürtig aus der Gegend, für die Projektleitung, Koordination, Durchführung und Berichterstattung vor Ort zuständig. Er ist 3-facher Familienvater, wohnhaft in San Buennaventura (auf der anderen Flussseite von Rurrenabaque) und hat Erfahrung als Director bei “Familia Feliz “ gesammelt. Er ist Lehrer und hat im Bereich Aufforstung und Abholzung gearbeitet. Die gemeinsamen Aktivitäten bei meinem letzten Besuch mit Ihm im Mai 2016 haben mich bestärkt eine Person gefunden zu haben, die ein Projekt mit Vision leiten und Anhand einer lebhaften Bildsprache über die unterschiedlichen Generationen hinweg vermitteln kann. Der Bericht nach Dörfern zeigt dies im weiteren Berichtsverlauf.

Woran wir noch arbeiten, ist eine bessere Komunikation zwischen Bolivien und Deutschland, wobei die Schwierigkeit hierbei meist technische (Komunikationsnetz) Ursprünge hat. Die aktuelle Liquidität des Projektes (Stand Juni 2016) kann dessen Fortführung die kommenden beiden Jahre tragen. Die Plan-Ist-Ausgaben liegen nahe beieinander, wobei Kosten im Bereich Unterbringung des Projektleiters auf Grund dessen hiesiger Wohnung nahezu wegfallen. Allerdings ist die nationale Währung (Boliviano) etwa 20% stärker als zu Beginn des Projektes. Ausgaben für Gehalt, Material, Experten und Nebenkosten sind im Arbeitsvertrag geregelt, genauso wie die künftige Kommunikation.

Weitere Spenden helfen die Nachhaltigkeit der bisherigen Arbeit fortzuführen und zu sichern um langfristig die Vision zu realisieren.

Projektaktivitäten nach Dörfern: Villa del Carmen:

Dieses kleine Dorf ist ein sehr gutes Beispiel um die Entwicklung des ebana Projektes zu veranschaulichen. Begonnen Ende 2012, hatte ich mit einem der Kinder der Familie meines Patenkindes im umliegenden Dschungel Samen aller Art gesucht und hatten am Ende des Tages über 1000 Samen edler Holzsorten. Mittels Palmblättern als Schutz vor den Hühnern haben wir diese dann mit einer guten Erde und Düngemischung eingetütet. Bis ich Bolivien 2 Monate später verließ hatten diese Bäumchen teils über 30 cm Höhe erreicht. Einige praktische und theoretische Einheiten im Bereich Umweltbildung bewirkten eine erste Annäherung. Lizandro führte diese Arbeit fort mit Hilfe der Lehrer und Familienmitgliedern. Es wurde eine Baumschule mit Baumsorten aller Art errichtet.

Bis zu meinem Besuch im neuen Jahr nach der Regenzeit (2016) haben die Bäumchen teils über 70 cm Höhe. Die Lehrer haben sich so organisiert, dass jeder in der trockeneren Jahreszeit einmal in der Woche gießt und dass freitags pflanztag ist. Hierbei wird gepflegt und teils Bäume ins freie umgesetzt.

(Umsetzung erster Bäume ins freie Gelände durch den Schuldirektor)

Motiviert von dem Ergebnis, haben Sie bei meinem Besuch nach weiterem grundlegenden Material für die Pflege der Baumschule sowie des geplanten Schulgartens angefragt. Dies beinhaltet u.A. eine Schubkarre, Wasserschlauch, Macheten, Rechen, Aufforsttüten, Hasendraht zum Einzäunen gegen Hühner, Schaufel. Bisher teils von Lehrern und Nachbarn gestellt.

Als Lizandro und ich zum weiteren Aufforsten bzw. Eintüten der Mara-Samen kamen, waren auf Grund unserer Verspätung alle Kinder und Lehrer bereits zu Gange.

Ebana ist nun auch Pate für die Kinder welche kommenden Herbst eingeschult werden.

(Dank des Direktors für ebana-Einsatz / den Spendern)

Dies zeigte uns, dass es zwar eine Weile dauert, bis die Beteiligten den langfristigen Sinn der ebana Initiative verstehen, es aber langfristig Früchte trägt und alle Beteiligten motiviert mitarbeiten ohne direkt dafür vergütet zu werden. Dies Unterscheidet ebana von vielen Projekten in dieser Gegend. Weitere Nachfragen zur Teilnahme an dieser Initiative wie vom nachfolgend beschriebenen Dorf “La Embocada” bestärken uns bei unserer weiteren Arbeit.

La Embocada Ende 2016 erhielt ebana eine förmliche Anfrage des Dorfes La Embocada mit der Bitte um Teilnahme am ebana-Projekt. Lizandro hatte im Rahmen eines staatlichen Aufforstprogrammes mit dem neuen Corregidor Wilfredo in dessen Dorf zusammengearbeitet. Bei einem gemeinsamen Besuch Mitte Mai 2016 konnte ich mir einen Einblick in das Dorf verschaffen. Es leben 11 Familien mit etwa 70 Personen in dem kleinen sehr ruhig gelegenen Dorf. Weiter Flussaufwärts wird sogar noch mit Pfeil und Bogen gefischt und primär mit “Techo de Hatata” (eine Pflanzenart, mit welcher Dächer ursprünglich eingedeckt werden) Handel betrieben. Weiterhin wird von einfacher Landwirtschaft gelebt. Auch hier besteht die Mentalität auf Hilfe der Stadt und Nichtregierungsorganisationen zu warten. Erst vergangenes Jahr siedelte das Dorf weiter weg vom Fluss um nicht wieder weggespült zu werden. Der Fluss steigt bis über 6 Meter an. Ein Gespräch mit den Dorffamilien machte klar, dass ebana die Idee hat Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und primär mit Material, Samen und Umweltbildungseinheiten behilflich ist. Das die Hilfe aber nur geleistet wird, wenn die Mehrheit des Dorfes bei der Errichtung einer Baumschule, eines Schulgartens und dessen Pflege den überwiegenden Teil trägt. Anhand des Beispieles von Villa del Carmen konnten wir die ebana Idee veranschaulichen. (Gespräch mit den Familien des Dorfes. Haus mit Hoja de Hatata gedeckt)

Nach einer Abstimmung des Rates haben sie unser Angebot sehr begrüßt.

Nun ist ein Schulgarten neben der neu zu errichtenden Schule vereinbart worden und ab Beginn der Samenzeit der meisten Bäume ab August auch eine Baumschule. Hier kann das bereits bestehende Dach eines ehemaligen Aufforstprojektes verwendet werden, dessen Mittel versickerten. (Alte nicht fertiggestellte Baumschule) Nach dem Gespräch haben Lizandro und ich zur Veranschaulichung für die Kinder sowie der Lehrerin eine Umweltbildungseinheit durchgeführt, bei welcher wir zunächst über die Bedeutung der Wälder sprachen. So kamen wir auf die bisherigen Verpackungsmaterialien die organischen Ursprungs waren und zu dem heutigen Verpackungsmittel Kunststoff und dessen Entsorgungsproblems.

(Gemeinsame Umweltbildungseinheit zum Thema Bäume und Müll)

Wir sammelten sämtlichen weggeschmissenen Müll an einem Ort. Letztlich wird nun geklärt wo und wie dieser entsorgt wird. Hier werden Gespräche mit der zuständigen Stadt Rurrenabaque geführt werden müssen, wie dies gelöst werden kann nach der Sammlung des Kunststoffes. Letzter stand ist, dass die Communidades mit diesem Thema auf sich alleine gestellt sind. Bisherige Lösung ist ein große Loch im Boden. Wenngleich keine zufriedenstellende Lösung. Doch besser als verbrennen.

Villa Lourdes Aktivitäten im Dorf Villa Lourdes via der Familie meines Conpadres (Carmello Danny Arce Raqua) werden ab Juli 2016 aufgenommen und von Lizandro unterstützt werden. Überwiegend ist eine Baumschule und evtl. ein Circulo Magico geplant. San Miguel de Bala

Das verhehrende Hochwasser Ende 2014, bei dem viele Menschen nahe des Flusses starben, hat die Ende 2012 errichtete Baumschule vor der Kirche weggespühlt. Die von Marianela und Lizandro durchgeführte Arbeit wurde auf Grund eines staatlichen Wiederaufbauprogrammes der Häuser ab Mitte 2015 bis heute sowie eines Aufforstprogrammes bei dem viel Geld floss zunächst bis heute nahezu auf Eis gelegt. Eine Umweltbildungseinheit im Bereich Müll bei meinem Besuch im Mai 2016 wurde durchgefuhrt sowie eine neü Vereinbarung getroffen, dass die neue Corregidora (Stadträtin) auf Lizandro Diaz zukommt, sobald der Kopf für ein Projekt wie das ebana Projekt wieder frei ist. Ein tiefes Gespräch mit Hernan Nay Varga (Gesellschafter des Ökotourismuses im Dorf), hat seine Initiative gezeigt, dass es sehr wichtig ist im Bereich Umweltbildung und Landwirtschaft und dessen Wertschätzung zu schauen. ( Aktivitäten von Lizandro 2015 sowie Mülleinheit 2016) (gesammelter Müll in San Miguel de Bala sowie Rückweg von Dorf via Boot)

San Jose de Uchupiamonas Ein Gespräch bei meinem Besuch im Mai mit dem Bürgermeister in San Buennaventura hat bestärkt, dass die Arbeit von ebana in den Dörfern wie San Jose de Uchupiamonas sehr begrüßt und unterstützt wird. Praktisch bleibt die Zusammenarbeit mit den Verwaltungsstätten wie Rurrenabaque und San Buennaventura schwer und wird daher nur auf ein Minimun fortgeführt. Aktuell gibt es keine Aktivitäten in San Jose. Lizandro hatte das Dorf besucht, jedoch besteht die Überlegung die Aktivitäten auf ein Minimum zu begrenzen, da es viel Zeit in Anspruch nimmt dort hinzukommen. Von Seitens des Direktors scheint die Nachfrage nach praktischen Unterrichtseinheiten da zu sein, allerdings fehlt uns der Einsatz der Lehrer um langfristig gut Zusammenzuarbeiten, bzw. die Arbeit langfristig den Lehrern zu übergeben.

Auch hier besteht die Vereinbarung mit dem neuen Korrigidor, dass dieser auf Lizandro zukommt sofern auch das Dorf sich dafür einsetzt und nicht nur ebana hinterher ist. Tumupaza:
Aktuell hat der zuständige Lehrer Martin Laura Lizandro Diaz bei meinem Besuch im Mai 2016 angefragt, ob wir bei der Veröffentlichung eines von Schülern und Lehrern verfassten Buches mit regionalen Geschichten in Bezug auf Umweltbildung in der Region behilflich sein könnten.

(Libros con cüntos tradicionales de la Region incluyendo temas sobre el medio ambiente como la Basura.)
Das Buch befindet sich aktuell noch in Prüfung.

Zusammenfassung: Alles in allem zeigte mir mein Besuch dass Lizandro gute Arbeit hat, die es nun gilt strukturiert und mit mehr Kommunimation über den Ozean hinweg fortzuführen. Positiv habe ich zur Kenntnis genommen, dass Lehrer alle 5 Jahre die Schule wechseln müssen und so der ebana Gedanke in weitere Schulen getragen werden kann. Angeblich ist zwar generell vom Staat vorgegeben im Bereich Umweltbildung in den Schulen zu handeln, Gespräche mit vielen Lehrern haben aber gezeigt, dass dies praktisch kaum bis keine Anwendung findet. Politisch sind auch viele Nichtregierungsorganisationen aus dem Land verschwunden auf Grund des staatlichen Druckes wegen der Angst des politischen Einflusses. Leider sind so aber auch tolle Projekte im Bereich Umweltbildung weggefallen. Auch der Umgang mit den Medien sehe ich als schwierig an, da die Familien leicht beeinflusst werden und mehr und mehr sich auf Lösungen aus der Stadt verlassen oder in diese abwandern. Als praktisches Beispiel hat der Besuch bei dem Stamm der Chimanes gezeigt, dass die vom Staat versprochenen Bänke in allen Schulen kaum Realisierung finden. Ich freu mich auf die weiteren Entwicklungen des Projektes und muss selbst auch lernen dass Prozesse in Bolivien oft langsamer wie von mir erwartet voranschreiten.

Verfasser: David Lamparter, Projektinitiator und Projektleiter ebana.

Download: Ebana Bericht 2015 hasta Junio 2016 V5