Ravensburg: 50 % Bio in öffentlichen Küchen

Im April 2021 stimmte der Kreistag in Ravensburg für einen verbindlichen Bio-Anteil in öffentlichen Köchen. Katharina Eckel von der Bio-Musterregion Ravensburg berichtet im Interview über die beschlossenen Maßnahmen, nächste Schritte und welche Impulse dabei von der Initiative BioBitte gegeben wurden.

BioBitte: Frau Eckel, Ende April hat der Kreistag in Ravensburg für einen verbindlichen Bio-Anteil gestimmt. Was wurde konkret beschlossen?

Katharina Eckel: Der Beschluss des Kreistages beauftragt die Verwaltung, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Anteil ökologischer Lebensmittel in kreiseigenen Einrichtungen und Einrichtungen, an denen der Landkreis beteiligt ist, bis 2030 auf 50 Prozent zu erhöhen. Zu diesen Beteiligungsunternehmen zählen die Oberschwabenklinik und die Kreissparkasse Ravensburg. Spätestens alle zwei Jahre berichtet die Verwaltung über den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen – so dass der Prozess laufend evaluiert wird.

BioBitte: Auf welche Einrichtungen wirkt sich der Beschluss aus?

Katharina Eckel: Der Beschluss betrifft Verpflegungseinrichtungen der Kreisverwaltung in Ravensburg und die Schulen des Kreises mit einem Verpflegungsangebot. Mit dem Bauernhausmuseum in Wolfegg, dem Schloss Achberg und dem Ernährungszentrum Bodensee-Oberschwaben kommen Bildungs- und Kultureinrichtungen im Landkreis hinzu. Die Oberschwabenklinik und die Kreissparkasse sind als Beteiligungsunternehmen im Gespräch mit der Kreisverwaltung.

BioBitte: Was sind die nächsten Schritte und wie gehen Sie diese an?

Katharina Eckel: Es wird nun eine Projektgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen betroffenen Einrichtungen und Bereichen gegründet. Hier soll der Ist-Zustand in den Einrichtungen, insbesondere des bisherig eingesetzten Bio-Anteils, geklärt werden. Die Beteiligten haben bereits ihre Beurteilung zum vorgeschlagenen Umsetzungskonzept eingebracht und Schritte genannt, die zur Zielerreichung nötig sind. Bei der Auftaktsitzung im Juli wurden außerdem Herausforderungen benannt und Vorschläge zum Ausbau von ökologischen Lebensmitteln gemacht.

Die Projektgruppe soll sich künftig regelmäßig über ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig bei der Umsetzung unterstützen. Das Regionalmanagement der Bio-Musterregion begleitet die Projektgruppe. Außerdem sollen bestehende Initiativen, Informationsangebote und Projekte einbezogen werden, wie zum Beispiel BioBitte, Bio kann jeder oder Modellprojekte des Landes Baden-Württemberg.

BioBitte: Wenige Tage vor dem Kreistagsbeschluss fand eine BioBitte-Initialveranstaltung mit Entscheidungsbefugten aus Politik und AHV aus dem Landkreis Ravensburg statt. Was konnten die Beteiligten aus dieser Veranstaltung mitnehmen, um es in den nächsten Schritten direkt anzuwenden?

Katharina Eckel: Insbesondere die Information, dass für Bio in der AHV auch Strukturen geschaffen werden müssen und es heute oft noch Lieferstrukturprobleme gibt, war einigen nicht bewusst. Auch dieses Thema soll künftig angegangen werden. Das Thema Bio in der AHV wurde von allen Beteiligten als enorm wichtig und als Gemeinschaftsaufgabe wahrgenommen. Es ist klar geworden, dass an mehreren Stellen gleichzeitig gebohrt werden muss und viel Engagement von allen Seiten nötig ist, um die Wertschöpfungskette zu schließen. Auch der finanzielle Aspekt, insbesondere in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, wurde thematisiert.

https://www.oekolandbau.de/index.php?id=19144