Die unermessliche Fülle der Zukunft

Zukunftsimpulse 5

Der Titel dieses Beitrages entstand durch die Ruhe, die entsteht, wenn ich von Reisen zurückkehre, das Alltägliche erledigt ist und ich wieder in die Welt gucken kann, dabei das Unermessliche sehen kann und versuche es mir zurechtzurücken.
Die Vielfalt des Gesehenen und Erfahrenen ist so groß, das es mich erstaunt, dass wir immer über Krisen reden. Sehen wir das Zukünftige, Schöne und Mutmachende.

80 Projekte von nachhaltigem zukunftsfähigen Bauen waren in Bonn zu entdecken. 80! Einige davon habe ich wieder erkannt: der gedrehte Holzturm der Wangener Gartenschau 2025, das Eigenheim des Schlinser Lehmbauers Martin Rauch, das aus dem Lehm des Aushubs entstehen konnte – und am Ende seiner Lebenszeit wieder in die Grube zurückkehrt. Lehm als Baustoff und als Beispiel von einer direkten Kreislaufwirtschaft. Holzbauten in Vorarlberg. Dazu noch einige aus Wien, neuer, einfacher, kommunitärer Siedlungsbau.
„WEtransFORM. Zur Zukunft des Bauens (Die Ausstellung war bis 25. Januar 2026 in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen) Sie lädt zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit der Zukunft unserer gebauten Umwelt ein. Im Mittelpunkt stehen grundlegende Gestaltungsprinzipien für eine klimagerechte Erneuerung unserer Baukultur. Dazu zählen insbesondere: Klimaresilienz stärken / Biodiversität fördern / Genügsamkeit üben / Bestand revitalisieren / Kreisläufe optimieren / Experimentieren wagen / Aktiv werden.
Zu sehen sind rund 80 Projekte, die sich auf vorbildliche Weise mit den Herausforderungen des Klimawandels beschäftigen. So versucht das Haus Glasner im Ahrtal vor künftigen Überflutungen zu schützen und das Rambla Climate House vor der Dürre in Spanien. Die Verwendung von natürlichen Materialien wie Stampflehm bei Anna Heringer oder Holz bei Hermann Kaufmann kann durchaus als Antwort auf die philosophische Frage nach dem Wesentlichen verstanden werden. Die Renovierung einer alten Scheune durch Studio Bua auf Island und die Umnutzung des ehemaligen World Trade Centers in Brüssel durch 51N4E reduzieren den Ressourcenverbrauch, CO2 Ausstoß und Bauabfall. Innovative Forschungsprojekte wie das NEST UMAR vom Karlsruhe Institute of Technology oder der Hybrid Flachs Pavillon der Universität Stuttgart erkunden neue Möglichkeiten im Umgang mit zirkulären Materialkreisläufen oder computerbasierte Bauweisen.

Als Highlight wird auf dem Museumsplatz Vert präsentiert – eine begrünte Holzbalkenkonstruktion von AHEC / Diez Office / OMC°C, die zur Kühlung von Plätzen und zur Stärkung der Artenvielfalt in städtischen Umgebungen beiträgt. Das Foyer der Bundeskunsthalle beherrscht die bis zur Decke reichende Installation Tree.ONE von EcoLogicStudio (Claudia Pasquero/Marco Poletto) – ein aus Mikroalgen gezüchteter, synthetischer Baum, der CO2 aus der Atmosphäre absorbiert und es in Biomaterial umwandelt.
Für das Ausstellungsdesign hat das Architekturbüro MVRDV (Rotterdam) fast ausschließlich auf bereits vorhandene Materialien in der Bundeskunsthalle zurückgegriffen.“

https://www.bundeskunsthalle.de/wetransform

Da kann einem schon schwindlig werden, wie sich die Architektur weiter entwickelt. Und das natürlich nicht von selbst, sondern durch die Inspiration von den „grünen Spinnern“, die sich auf die vielfältigsten Experimente für ein besseres Leben einlassen und es ausprobierten. Ich erinnere mich noch an einen Biobauerfreund, der das Bächlein auf seinem Grund für ein Miniwasserkraftwerk nutzte. Etwa 1985, ökonomisch erstmal sinnlos, aber ökologisch wegweisend.
Die Ausstellung beinhaltet selbstredend nicht nur Architektur, sondern sie zeugt auch von einem sich wandelnden Bewusstsein der Menschen, die in diesen Bauwerken leben wollen, sich wohlfühlen und auf eine Reise nach Innen gehen.

Dieter Koschek