
Während Lebensmittelpreise steigen und globale Lieferketten immer wieder ins Stocken
geraten, geht eine Initiative am Bodensee einen anderen Weg. Die Solidarische
Landwirtschaft – kurz Solawi – verbindet naturverträglichen Anbau mit einem
Gemeinschaftsmodell, das Verbraucher und Erzeuger näher zusammenbringt.
Kurze Wege, frisches Gemüse
Was im Supermarkt oft tausende Kilometer hinter sich hat, reist bei der Solawi Bodensee e.V. in
Friedrichshafen-Raderach nur wenige Meter: vom Feld direkt in den angrenzenden Abholraum für
die Mitglieder – und genau deshalb ist es auch wirklich erntefrisch und reif. Es gibt keine langen
Transportwege. Knackiger und nachhaltiger geht’s einfach nicht!
Bei der Solawi landet auf dem Teller, was der Acker gerade hergibt. Alle Mitglieder bekommen jede
Woche die gleiche Auswahl – keine Bestellliste wie bei einer klassischen Gemüsekiste, sondern die
Jahreszeit gibt den Takt vor.
Diese unmittelbare Verbindung zum Acker verändert etwas. Man spürt die Jahreszeiten, freut sich
auf die erste Zucchini im Sommer und den Grünkohl im Herbst. Das Gemüse wird wieder zu etwas
Besonderem – und die Wertschätzung dafür wächst ganz von selbst.
Lebendige Böden statt Kunstdünger
Während konventionelle Betriebe auf Kunstdünger angewiesen sind – deren Herstellung meistens
auf Erdöl basiert, viel Energie verbraucht und die Preise eng an den Weltmarkt gekoppelt sind –,
geht die Solawi Bodensee e.V. einen anderen Weg. Die Nährstoffversorgung übernehmen
Regenwürmer, Pilzgeflechte und Mikroorganismen. Dazu kommen organische Dünger, Kompost
sowie durchdachte Fruchtfolgen. Die Solawi respektiert die Kreisläufe der Natur und wirtschaftet
mit ihr und nicht gegen sie.
Auch beim Pflanzenschutz verzichtet die Initiative auf Chemie: Mischkulturen, bei denen Pflanzen
sich gegenseitig schützen, und Strohmulch gegen Austrocknung und Unkraut ersetzen Pestizide.
Der gesamte Gemüsebau kommt ohne beheizte Gewächshäuser aus – stattdessen setzen die
Gärtnerinnen und Gärtner auf Frostschutzvliese, robuste Sorten und gut lagerfähiges Wintergemüse.
Fossile Energie spielt im Anbau praktisch keine Rolle.
Ein Modell, das auf Vertrauen baut.
Das Besondere an der Solawi ist ihr Wirtschaftsprinzip: Die Mitglieder finanzieren gemeinsam den
Betrieb und erhalten dafür wöchentlich einen Anteil der Ernte. Das Risiko wird geteilt: Fällt eine
Ernte kleiner aus, tragen es alle gemeinsam. Ist sie besonders reich, profitieren ebenfalls alle.
Ein Solidarprinzip sorgt dafür, dass der Beitrag an die individuellen Möglichkeiten angepasst
werden kann. Am Ende muss es im Durchschnitt passen – damit der Betrieb läuft, die
Gärtner*innen fair bezahlt werden und für alle genug wächst.
Für Familien kann die Solawi Bodensee e.V. ein besonderer Ort sein. Hier können Kinder
miterleben, wie Gemüse wächst: vom winzigen Samenkorn bis zur Ernte. Sie dürfen buddeln,
staunen und naschen – und verstehen ganz nebenbei, woher unser Essen wirklich kommt.
Angebaut wird nach biologischen Richtlinien – und durch das Solidaritätsprinzip bleibt dieses
hochwertige Gemüse für alle bezahlbar.
Angestellte Gärtner*innen organisieren den Gemüseanbau. Darüber hinaus gibt es aber noch so viel
mehr zu tun. Und hier kommt die Gemeinschaft ins Spiel: Verteilung, Organisation, Instandhaltung,
gemeinsame Aktionstage – all das stemmen die Mitglieder ehrenamtlich. Wer mitmachen will findet
eine Aufgabe, die zu ihm passt.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie anfällig ein Ernährungssystem sein kann, das auf lange
Transportwege und globale Märkte setzt. Die Solawi Bodensee e.V. bietet eine Alternative: regional,
gemeinschaftlich getragen und unabhängig von Weltmarktpreisen.
Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Wer neugierig ist, kann an einem der regelmäßigen
Kennenlerntage teilnehmen und sich selbst ein Bild machen – von den Feldern, den Menschen und
der Idee dahinter.
Einen Bezug zur Natur, zum Produkt und dem Produzenten herstellen, selbst aktiv dabei sein!
Verpflichtend ist das nicht. Viele Mitglieder holen einfach ihre wöchentliche Kiste ab und
genießen die bunte Vielfalt. Ein Zukunftsmodell direkt vor der Haustür.
Weitere Informationen unterhttps://www.solawi-bodensee.de und in der Dokumentation auf Regio
TV unter https://www.regio-tv.de/mediathek/video/solawi-bodensee-wie-solidarische- landwirtschaft-menschen-und-lebensmittel-verbindet/







