Wasser des Lebens – oder doch nur eine Ware?

Wasser des Lebens – oder einfach nur eine Ware?

Ein paar Gedanken

Der Volksmund sagt, man solle den Ast, auf dem man sitzt, nicht absägen; das sei verrückt. Nun gibt es aber Zeitgenossen, die verkaufen gleich den ganzen Baum, auf dem sie sitzen. Grenzt das nun an Wahnsinn oder ist es eher ein kompletter Wahrnehmungsverlust?

Wasser war die letzte Ressource, die sich dem Spiel der Märkte entzogen hat, so lange, bis Tom Rooney kam, der Firmenchef von Waterfind. Er hat aus der natürlichen Ressource eine Ware gemacht. Mit seinen hochweiß polierten Zähnen behauptet er, der Klimawandel sei ein Glück, denn je größer die australische Dürre, desto höher der Gewinn, den er beim Verkaufen von Wasser erzielen kann; er ist ein Paradebeispiel für den homo oeconomicus, ein Mensch, der nur noch den rein ökonomischen Nutzen sieht, den es zu maximieren gilt, der nicht spürt, sondern nur noch rechnet.

Manch einer behauptet, es gebe ihn nicht, diesen homo oeconomicus: Der Mensch sei ausgerichtet auf Gemeinschaft und Empathie. Das bewiesen die gemeinnützigen Taten der Menschen. So spenden zum Beispiel die Deutschen 2018 über 5 Milliarden Euro für wohltätige Zwecke und 43% der über 14-Jährigen leisten regelmäßig ehrenamtliche Arbeit. Auch Jeremy Rifkins Buch „Die Empathische Zivilisation“ zeichnet eine klare Entwicklung zu immer mehr Menschlichkeit und einem globalen und ökologischen Bewusstsein. Leider ist er sich am Ende seines Buches nicht sicher, ob die Menschheit es wirklich schafft.

Ich hingegen bin mir sicher, es gibt ihn, den homo oeconomicus – ihm fehlt nur das homo, das Menschliche – er ist ausschließlich Ökonom. Er gleicht einem roboterhaften Wesen, das in klimatisierten Räumen den ganzen Tag auf Tasten tippt und auf Bildschirme starrt. Steigt der Wasserpreis, grinst er fratzenhaft und tippt weiter. Gewinnmaximierung ist sein Ziel. Er nimmt den Baum nicht wahr, auf dem er sitzt, hat noch nie taufrisches Gras unter den Füßen gespürt oder nachts den Kopf gehoben, um den Sternenhimmel zu bewundern. Sein Ziel ist der immer größerer Reichtum, sprich Geld scheffeln.

Werden also in Zukunft nur diejenigen Wasser bekommen, die es sich leisten können? Wird der Rest einfach aufgeben müssen, so wie viele Farmer schon jetzt in Australien oder Kalifornien? Gerade in diesen Ländern war aber Wasser auch jahrzehntelang kostenlos und wurde einfach nur verschwendet.

Lernen wir Wasser tatsächlich erst wertzuschätzen, wenn es etwas kostet? In Deutschland zahlen wir schon lange für Wasser und Abwasser, doch ist es immer noch zu billig. Schließlich spülen wir  mit 27% der Trinkwassermenge unsere Fäkalien davon.

Hinzu kommt das sogenannte virtuelle Wasser, Wasser, das in jedem Produkt aufgrund seines Herstellungsprozesses verbraucht wird: Bei einem Neuwagen sind es 450 000 l Wasser, auch die Tasse Kaffee schlägt mit 140 l zu Buche … wie viele Tassen kalt gewordenen Kaffees werden täglich in den Büros in den Abfluss geschüttet? Kaum jemand fragt danach.

Nicht nur  Tom Rooney hat den Bezug zur Natur verloren. Auch wir: zum Wasser, zum Erdboden, zu unserer Lebensgrundlage. Sie ist eine Ware geworden, die in digitalen Welten auf Knopfdruck gehandelt werden kann und Gewinne erzielt, die wir täglich nutzen, ohne uns allzu viele Gedanken zu machen … es fließt ja noch, das Wasser. Und wenn wir Durst haben, kaufen wir es in Plastikflaschen im Supermarkt.

Mittlerweile ist eine weitere Verrücktheit entstanden: Umweltschutzorganisationen kaufen an der Börse Wasser, um noch irgendwie ein Stückchen Natur zu retten, das heißt auch sie handeln das Wasser des Lebens als Ware an der Börse, fühlen sich gezwungen bei diesem absurden Spiel der Märkte mitzumachen. Kann man Wasser, kann man das Leben wirklich kaufen?

John Muir,  Naturphilosoph und Schriftsteller, hat 1903 Theodor Roosevelt drei Tage und drei Nächte durch die amerikanische Wildnis begleitet, um ihm die Schönheit der Natur vor Augen zu führen. Drei Jahre später stellt Roosevelt das Yosemite Gebiet unter Naturschutz und gründet unter anderem vier weitere Nationalparks sowie 55 nationale Vogel- und Wildtierreservate. Vielleicht hat er, ähnlich wie Robert Louis Stevensen, in diesen Nächten die „Erde atmen gehört“, vielleicht mit quellfrischem Wasser seinen Durst gestillt.

Wann haben wir das letzte Mal die Erde atmen gehört, dem Rauschen eines Baches gelauscht, Pflanzen in ihrem Wachstum beobachtet und dankbar die Ernte entgegengenommen? Die Klimakrise und die Wasserkrise werden wir nur lösen, wenn wir wieder eine wirkliche Beziehung aufbauen mit dem Planeten, auf dem wir leben, mit der Erde, die uns trägt, mit der Luft, die uns atmen lässt. Liberty Hyde Bailey sagt: "Humanity begins in the garden“: Das ist das Drama unserer Zeit: Zu viele leben ohne Garten, kaufen ihr Gemüse plastikverpackt im Supermarkt, sitzen Tag für Tag, mehrere Stunden vor Bildschirmen, den Horizont reduziert auf 30 Zentimeter, in unnatürlich starrer Haltung – nota bene: starre Haltung – nicht nur physisch, sondern auch psychisch, sozial. Nur wer keinen Sinn mehr für Gemeinschaft hat, kann sich über jahrhundertealte Bewässerungssysteme nach dem Allmende-Prinzipien hinwegsetzen und Wasser, ja, das Leben selbst, zur Ware machen.

 

Ein paar (eingesammelte) Tipps, vielleicht ist etwas für dich dabei:

  •  „Wir haben eine Zisterne auf unserem Grundstück gebaut, um Regenwasser zu sammeln“
  • „Wir duschen im Sommer unterm Kirschbaum, ohne Seife“
  • „Ich trage mein Gemüsewaschwasser in den Garten zu meinen Pflanzen“
  • „Seit zwei Monaten trinke ich nun endlich nur noch Leistungswasser – es geht mir gut damit“
  • „Ich habe meinen Konsum sehr reduziert, denn alles benötigt Wasser bei der Herstellung“
  • „Wir wollen eine Trockentoilette bauen“
  • „Wir haben nun auch an der Garage eine Regentonne aufgestellt“
  • „Euren virtuellen Wasserabdruck könnt ihr übrigens unter http://aquapath-project.eu/calculator-ge/calculator.html ausrechnen“
  • „Ich habe meinen Kaffeekonsum stark reduziert“
  • „Es gibt ja das Angebot von Einzelhändlern, bei denen man, wenn man unterwegs ist, seine Wasserflasche auffüllen kann. Hier die Karte https://refill-deutschland.de Es dürfen noch mehr Anbieter werden“
  • „Statt Regendusch-Kopf, den alle gerade so toll finden, habe ich einen Spar-Kopf installiert - wenn ich Regendusche will, nehme ich den echten Regen – okay, das genieße ich dann eben nur im Sommer, wenn es richtig heiß ist und ein Gewitter vom Himmel fällt“
  • Habt ihr schon mal die 1,5-Liter-Outdoor-Dusche probiert? Man nimmt einfach eine Flasche, füllt sie mit Wasser und duscht lediglich damit – man wird prima sauber – ehrlich! Und wenn man bedenkt, dass 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu trinkbarem Wasser haben, dann sind doch 1,5 l ein wahrer Luxus, oder?“
  • Ich dusche im Sommer übrigens neben meinen Tomaten“
  • „Wir sollten in den Städten und Gemeinden öffentliche Trinkwasserbrunnen einfordern“