Ins Herz der Dinge schauen

„In unserem wunderschönen Seminarzentrum am Hohlenstein, laden wir dich herzlich ein, Dir mal Zeit zu nehmen für die wichtigen Fragen des Lebens. Lerne Dich selbst vielleicht noch mal ganz neu kennen, verlasse Deine Komfortzone und riskiere einen Blick in deine eigene Tiefe.“

So beginnt die Einladung von unserer Seminarreihe kommendes Jahr…. Doch was hat es damit auf sich und warum könnte das denn interessant sein?

Im Alltag haben ja heutzutage die wenigsten von uns „Zeit“, sich um ihre sogenannten Themen zu kümmern, vielleicht aber auch aus Angst oder vielleicht auch, weil es Hilfe von anderen braucht, um die eigenen Abwehrmechanismen zu ergründen. Doch jetzt, im Lockdown, gibt es da ja so einige Lücken, wo plötzlich Zeit da ist und das ein oder andere ungelöste Thema nach oben spühlt. Vielleicht bist du auch einer der Menschen die meinen, dass sie schon genug Prozesse im Alltag hätten, da brauchen sie nicht noch mehr… und was schon gar nicht gebraucht ist, ist es, sich noch mehr damit zu konfrontieren.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mich erst gerufen gefühlt habe, nachdem ich durch eine tiefe persönliche Krise gegangen bin. Alles, was ich über mich glaubte, wurde irgendwie auf schmerzhafte Weise in Frage gestellt. Dieser Prozess des „Sterbens“ der eigenen Glaubenssätze, Konditionierungen und Identifikationen kann sehr schmerzhaft und langwierig sein, doch ist er in jedem Fall das Lohnendste, was getan werden kann, um wirkliche Freiheit, Potentialentfaltung, Vertrauen und Liebe zu verkörpern.

Für viele Menschen, scheinen diese letztgenannten Werte vielleicht noch nicht sehr lohnend und diese Menschen können an dieser Stelle auch aufhören zu lesen, denn das folgende wird für sie nicht besonders wichtig oder interessant sein.

Meistens wird erst in tiefen Krisen sichtbar, wo ich wirklich stehe, denn die Gefühle von (Schein-)Freiheit, (Schein-)Selbstvertrauen und (Schein-)Sicherheit kollabieren erst dann… sie sind nicht krisensicher und das Kartenhaus bricht zusammen.

Wenn du dich des öfteren fragst, ob das schon alles gewesen ist, dich fragst, wann das Leben endlich mal losgeht, dich fühlst als ob du immer noch in der Generalprobe bist, jedoch noch nicht so richtig mit dem Leben begonnen hast, dann kann das folgende vielleicht für dich interessant sein.

Nichts im Leben passiert ohne Grund und vielleicht schreibe ich gerade diesen Blog, um dich daran zu erinnern, wer du wirklich bist, unter all den Lagen von Add ons (Zusätzen). Einige der Dinge, die ich dir jetzt erzähle, wirst du mir nicht glauben und vielleicht ängstigen sie dich sogar so sehr, dass du mich entweder für bescheuert hältst oder auf die ein oder andere Art der Sache ausweichst.

Was hält dich davon ab, genau jetzt glücklich zu sein? Nimm dir einen Moment Zeit, um dir selbst diese Frage zu stellen. Schließ doch mal deine Augen, denn die können dich am besten ablenken. Und, was kommt da alles? Vielleicht kommen da Träume, Bedürfnisse, Dinge, Erfahrungen oder Erlebnisse, die du unbedingt noch brauchst, um glücklich zu sein. Eine Beziehung, Kinder, ein bestimmter Job, Geld, ein Haus, Auto etc. All diese Dinge sind sicherlich ganz schöne und tolle Dinge. Auch Erfahrungen und Bedürfnisse sind auf jeden Fall sehr wichtig. Seine Liebe und sein Glück mit jemandem zu teilen, gehört mit zu den schönsten Dingen, die diese Ebene des Seins zu bieten hat. Was wäre, wenn ich dir sage, dass du das alles aber nicht brauchst, um glücklich zu sein? Du glaubst mir das wahrscheinlich nicht. Lass mich dir eine kleine Geschichte erzählen, von Mulla Nasrudin, einem „Dummkopf“ aus den Lehren des Sufismus.

„Mein Schlüssel, ich habe meinen Schlüssel verloren.“, rief Nasrudin. Das erklärte natürlich wieso der Mulla auf dem Boden kniete. Da der Mann aufrichtig war, half er Mulla Nasrudin bei der Suche nach dem Schlüssel.

So suchten die beiden im Schein der Laterne nach dem Schlüssel. Es wurde immer später, doch sie fanden den Schlüssel nicht. Um Mitternacht sagte der Bürger sodann: „Mulla, wir haben jetzt jeden Stein drei mal umgedreht. Dein Schlüssel ist nicht hier. Wo hast du ihn denn verloren?“

Der Mulla streifte sich den Staub vom Gewand und antwortete: „Dort hinten in der finsteren Ecke habe ich ihn verloren.“ Der Mann traute seinen Ohren nicht und erwiderte ungläubig: “Aber wieso suchen wir dann hier unter dieser Laterne, und nicht dort hinten, wo du den Schlüssel verloren hast?“

Mulla Nasrudin schmunzelte: „Das ist doch ganz klar. Weil es hier im Laternenschein viel angenehmer ist zu suchen.“

Du kennst diese Geschichte sicherlich nur zu gut. All die Dinge, Menschen, Beziehungen usw. die wir gesucht und gefunden haben, sind die Dinge, die im Lichtschein der Laterne offensichtlich ja der Schlüssel zu unserem Glück sein sollten. Doch egal wie viele dieser tollen Erfahrungen auch zu uns gekommen sind, keine davon hat uns dauerhaft glücklich machen können. Denn der Schlüssel liegt im Dunkeln, in der dunklen Ecke, wo wir vielleicht aus Bequemlichkeit oder Angst noch nicht gesucht haben. Der Schlüssel zum Glück ist in Dir bzw. du bist es.

Nachdem ich ein paar Jahre in den dunklen Ecken meines Selbst gesucht habe und viele tolle interessante und wichtige Dinge entdeckt hatte, bemerkte ich plötzlich, dass es eigentlich nicht das Dunkle war, was mich am meisten erschreckte, es war die Freiheit und mein eigenes Licht. Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn du im Meer schnorchelst und dir über dem Riff all die bunten Fische anschaust. Dann kommst du zum Rand des Riffs und der Meeresboden fällt steil nach unten ab, so dass du nur noch die Weite und Tiefe des Ozeans vor dir hast. Kannst du dich an die Angst erinnern, die diese Freiheit und Ungewissheit ausgelöst hat.

So ähnlich hat es sich angefühlt, die Kontrolle, die ich nie hatte, bewußt aufzugeben, sie als spannende Illusion zu durchschauen. Diese Einsicht ist mal näher im Bewusstsein und mal weiter weg. Aber in den Momenten, wo sie durchstrahlt, weiß ich, dass alles was passiert und alles was ich bin, perfekt ist, also niemals anders hätte sein können. Ich stellte fest, das mein Verstand, mein Ego, ähnlich wie ein Fußballkommentator, das Spiel des Lebens nur kommentieren kann, jedoch keinen Einfluß hat, es zu verändern. Das Fußballspiel findet statt, was passiert passiert, spontan und unvorhersehbar, doch der Kommentator lobt, regt sich auf, kritisiert, meint es besser zu wissen, erforscht Ursache und Wirkung, verurteilt, beschimpft und bewertet jeden Spielzug. Solange ich glaube, der Kommentator zu sein bzw. solange ich diesen Teil in mir nicht so behandle, wie eine liebevolle Mutter ihr Kind, solange werde ich nicht glücklich sein.

So… was machst du nun? Du hast so weit gelesen und vielleicht hältst du mich jetzt für verrückt oder was auch immer, ich bin mir sicher dein Kommentator hat schon eine Meinung zu dem, was ich geschrieben habe. Was wäre wenn du und ich nicht so verschieden wären, wie es den Anschein hat? Was, wenn ich dich hier von nichts überzeugen möchte, sondern dir nur zeige, wie für mich die Welt gerade erscheint? Was wäre, wenn Spiritualität nichts mit Verzicht zu tun hätte, sondern nur mit Liebe, Klarheit, Verbundenheit und Selbsterkenntnis? Würdest du dir dann Zeit nehmen, für die wichtigen Fragen des Lebens. Und vielleicht findest du auf dem Weg, der kein Weg ist, … besser… vielleicht findest du in deiner Selbsterinnerung keine Antworten, doch vielleicht Gelassenheit, Frieden und eine Liebe, die niemals zerstört werden kann. Wäre das nicht ein wenig Zeit wert?

 

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Ein Vogel singt nicht,

weil er was zu sagen hat

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