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Der Weg des Kreises – in Schulen und Institutionen

Die Kommunikation und der Austausch in Redekreisen, der „Way of Council“, hat eine uralte Tradition in indigenen Völkern verschiedener Kontinente. Bei vielen Völkerbunden auf den amerikanischen Kontinenten, in der hawaiianischen Kultur, aber auch beispielsweise in Schriften aus dem klassischen Griechenland lassen sich Formen dieser Tradition ausmachen. Schon immer trafen sich Menschen um ein Feuer, um Geschichten zu teilen und dabei ihr Miteinander zu stärken.

Auch in unserer heutigen, westlichen Kultur ist der Redekreis ein kraftvolles Werkzeug, um einen Raum zu schaffen, in dem Begegnung und Verbindung stattfinden kann.

Die Gestaltung eines Redekreises – „Regeln“

Die Teilnehmenden sitzen in einem Kreis, um eine gemeinsame Mitte herum. Wenn erwünscht, kann eine Kerze angezündet werden. Es wird vereinbart, dass alle während des Redekreises gesprochenen Worte vertraulich behandelt werden.

Ein Sprechgegenstand (Redestab, -stein, -ball…) wird herumgegeben.
Der- oder diejenige, die den Sprechgegenstand in der Hand hält, spricht. Dabei ist die Empfehlung, spontan und aus dem Herzen zu sprechen und dafür in sich zu spüren, was jetzt in diesem Moment wirklich wichtig ist und gesagt werden will.

Alle anderen hören zu, und zwar aufmerksam und aktiv, ohne schon zu überlegen, was sie sagen möchten, wenn der Sprechgegenstand später zu ihnen kommt. Das ist eine große Herausforderung für viele Menschen. Die Redende wird nicht unterbrochen, außer mit konkreten Verständnisfragen.

Wenn sie fertig gesprochen hat, gibt sie den Sprechgegenstand an den nächsten Menschen weiter. Wenn jemand nichts zu sagen hat, kann er den Gegenstand auch einfach schweigend weiterreichen.

Um z.B. in einer begrenzen Zeit trotzdem alle Stimmen zu hören, ist es oft gut, die Sprechzeit zu begrenzen. Dafür wird ein Zeithüter festgelegt, der nach einer gemeinsam verabredeten Zeitspanne ein Zeichen gibt.

Wir beginnen in der ersten Runde gerne mit der Frage: Wofür bist du heute dankbar? Wir glauben, dass es sehr wertvoll ist, Dankbarkeit und eine dankbare Haltung in unser Leben zu integrieren.

Die zweite Runde ist dann oft ein „Check-in“: Wie geht es mir, wie bin ich heute hier, was bewegt mich?“

Abgesehen von diesen Fragen ist der Redekreis auch eine gute Methode, um über ein gemeinsam definiertes Thema zu sprechen, oder auch, um in Gruppen inhaltlich zu einem fachlichen Thema zu arbeiten: die Methode beugt Hierarchien vor. Sie ermöglicht allen auf gleichberechtigte Weise am Prozess teilzunehmen.

Das Aussprechen der eigenen Gedanken und Gefühle im Kreis fördert den Selbstrespekt und authentischen Ausdruck der Teilnehmenden. Durch tiefes Zuhören wachsen Achtsamkeit und Respekt auch für die Wahrheit anderer Menschen: „In einem Kreis, der sich in einem Zustand kollektiver Achtsamkeit befindet, führen unterschiede und Uneinigkeit nicht so schnell zu Polarisierung und Feindseligkeit. (…) Das Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein, lässt die Angst vor der Isolation schwinden, so dass Meinungsverschiedenheit die Brücke zu größerem gegenseitigen Verstehen wird.“ (Zimmermann/Coyle 2010, S.23). Die Teilnehmenden eines Redekreises erfahren, dass die Weisheit aller im Kreis größer ist, als die Weisheit einzelner Personen. Das Miteinander wird gestärkt.

(zur Vertiefung siehe: Jack Zimmermann & Virginia Coyle: Der große Rat. Das Council – mit dem Herzen hören und sprechen, den Kreis erweitern. Freiburg, 2010)


Zur gesellschaftlichen Relevanz von Redekreisen

Wir leben in einer Zeit vieler Veränderungen, vieler Herausforderungen und Möglichkeiten.

Klimawandel, Peak Oil, Bürgerkriege, Umweltprobleme und Finanzkrisen stellen uns vor viele globale Fragen bezüglich unserer Zukunft und der Zukunft unserer Kinder.

Es ist ein Wandel von unserer momentanen erdöl-basierten, industriellen Wachstumsgesellschaft hin zu einer anderen, nachhaltigen und lebens-erhaltenden Gesellschaft.

Um daran zu arbeiten und daran zu glauben, ist es wichtig, positive Zukunftsvisionen zu nähren, und das gerade in den jungen Generationen.

Um uns vorzubereiten auf diese Zeit, und aktiv Teil zu haben an diesem momentanen globalen Wandel, ist es wichtig, schon jetzt Techniken und Werkzeuge zu erlernen, die uns stärker in Verbindung bringen mit uns selber und unseren eigenen Qualitäten und Gaben, zu einander und zur Erde.

Der Redekreis ist ein wichtiges, kraftvolles kulturelles Element. Er ermöglicht Kommunikation von Herzen, fördert Gefühle der Verbundenheit und Gemeinschaft und kann auch im Fall von Konflikten eine Hilfestellung sein kann.


Anwendung bei wirundjetzt – unsere Erfahrungen

Bei wirundjetzt wollen wir eine Kultur miterschaffen und erforschen, zu der wir aus vollem Herzen JA sagen können. Neben einem achtsamen Umgang mit der Erde, ökologischer Landwirtschaft und Permakultur, Naturschutz und alternativen Wirtschaftssystemen usw. geht es uns dabei konkret um eine andere, lebendige Form des Zusammenlebens und Kommunizierens. Wir wünschen uns eine Kreiskultur statt Hierarchien, authentische Kommunikation und empathisches Zuhören und das Erspüren von dem, was wirklich wichtig ist, in dieser Zeit des Wandels.

Zu einer verbindenden Kultur gehören für uns neben den Projekten und der Arbeit zum Schutz der Natur auch die konkrete Rück-Verbindung zur Natur, gemeinsame Feste, andere Arten (gemeinschaftlich) zusammen zu leben, neue Arten zu wirtschaften, Ältesten-Strukturen und generationsübergreifender Austausch, Mentoring-Strukturen, eine neue Lern-Kultur, die Entfaltung unserer Potentiale und natürlich andere, wahrhaftige Formen zu kommunizieren.

Alle unsere Treffen (öffentliche und interne) organisieren wir hauptsächlich in Redekreisen. So wird jede Stimme gehört, Gemeinschaft spürbar gelebt und unsere Stärken potenziert.

Sehr wichtig für uns ist immer die Frage, aus welchem Raum wir handeln und sprechen.

Was ist das „wir“ in „wirundjetzt“? Wo sind wir eine authentische Gemeinschaft, deren Mitglieder sich gegenseitig wertschätzen und sehen, mit all ihren Stärken und Schwächen?

Je nach Zielgruppe ist es unterschiedlich, wie intensiv wir die Redekreise gestalten, welche Symbole oder Geschichten und Fragen wir verwenden.


Zum Potential der Integration der Methode an Schulen und anderen Institutionen

Besonders die Schulen stehen zur Zeit vor großen Herausforderungen. Neben fachlichem Wissen sollen sie die Kinder auf ihre Zukunft vorbereiten. Doch was heißt das konkret, angesichts all der geschilderten Fragen und Probleme unserer Zeit, denen selbst wir Erwachsenen oft hilflos gegenüberstehen?

Heißt es nicht, die Kinder und Jugendlichen darin zu begleiten, ihren eigenen Weg klar und stark zu gehen, ihr eigenes Potential zu spüren und zu entfalten, und ihrer eigenen Wahrheit Ausdruck zu verleihen? Heißt es, unterschiedlichen Erfahrungen und Ideen Raum zu geben und unsere Vielfalt zu feiern?

Eine Kultur des gegenseitigen Zuhörens zu schaffen, in der das ausgedrückt wird, was den Menschen wirklich wichtig ist?

Die kraftvolle Methode der Redekreise kann sich auf verschiedene Weise in Schulen und auch anderen Institutionen als hilfreich und kulturschaffend erweisen:

– innerhalb des Lehrerkollegiums zum Austausch von guten und schlechten Erfahrungen mit SchülerInnen und Eltern – als unterstützendes, verbindendes Element innerhalb von Fachbereichen oder Zufallsgruppen, in denen es nicht um Inhaltliches, sondern um Austausch geht.

– innerhalb des Klassenverbandes zur Stärkung der Klassengemeinschaft und Verbindung der Schüler untereinander.

– Zur Schaffung von Räumen, um besondere Vorkommnisse zu thematisieren und den damit verbundenen Gefühlen, Ängsten und Fragen Ausdruck verleihen zu können (besondere Ereignisse wie zum Beispiel der Reaktorunfall in Fukushima oder auch eine bedrohliche Krankheit oder der Tod eines Mitschülers…).

– als Methode, um auch kleine Gruppenarbeiten leichter zu gestalten, Diskussionen zu vertiefen und Konflikte innerhalb der Klassen zu lösen

– interkultureller Beitrag: in einem Raum des respektvollen Miteinanders die eigenen Geschichten zu teilen, unterstützt grundsätzlich die Fähigkeit wertschätzend auf Unterschiede die uns einzigartig machen zu schauen, und verbindende Aspekte und Gemeinsamkeiten zu entdecken.


Wenn ihr unsere Arbeit unterstützen wollt…

Wir möchten die Methode des Redekreises gern in Schulen, in Gemeinderatssitzungen und in die Gestaltung der Treffen von anderen Institutionen tragen und sind dabei, auf Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen zuzugehen. Mithilfe von Spenden auf das wirundjetzt-Konto könnt ihr unsere Arbeit unterstützen. Vielen Dank!

Außerdem könnt ihr uns auch gern einladen, um einen Redekreis in eurer Gruppe, Schulklasse oder Institution anzuleiten. Dafür wendet euch an

Katharina Philipp, Email: katharina.philipp(at)wirundjetzt.org

oder an

Annika Taube, Email: annika.taube(at)googlemail.com)

 

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weil sie nach regionalen, nachhaltigen, demokratischen und resilienten Formen des Wirtschaftens suchen.

Das sind die Koordinaten der Zukunft.

Mag. Christian Felber, Buchautor, Lektor an der WU Wien, Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie und des Projekts Bank für Gemeinwohl

www.gemeinwohl-oekonomie.org

 

 

 

 

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